Lerncoaching mit System

LRS Nachteilsausgleich

Kinder mit einer Lese Rechtschreibschwäche kann ein LRS Nachteilsausgleich gewährt werden. Die Entscheidung trifft die Schule. Auch beim LRS Nachteilsausgleich gibt es, wie im gesamten Bildungswesen, keine bundesweit einheitliche Regelung.

Wird der LRS Nachteilsausgleich gewährt,  erhalten Kinder folgende Erleichterungen:

  • kein lautes Vorlesen von Texten, wenn das Kind sich dies nicht zutraut
  • Gewährung von längerer Bearbeitungszeiten
  • Erteilung von weniger Aufgaben
  • keine oder weniger strenge Bewertung
  • Vorlesen von Aufgabenstellungen

Ein LRS Nachteilsausgleich hat unbestritten Vorteile, denn die gewährten Erleichterungen sind durchaus  eine Entlastung und sorgen zunächst für oft dringend benötigte  Entspannung nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei ihren Eltern. Der LRS Nachteilsausgleich ist allerdings nur  sinnvoll, wenn gleichzeitig eine gezielte Förderung des Kindes stattfindet. Auch sollte er als zeitlich begrenzt betrachtet werden und immer auf die individuellen Leistungen des Kindes abgestimmt sein. Das heißt, Leistungsverbesserungen müssen, um sie zu würdigen, in die Nachteilsausgleichsregelung einfließen. Dies ist für das Kind ein wichtiges Feedback und zeigt ihm, dass seine Anstrengungen gesehen und gewürdigt werden.

Der Nachteilsausgleich wird auf dem Zeugnis vermerkt. Bleibt er bis zum Ende der Schulzeit, steht er auch auf dem Abschlusszeugnis. An weiterführenden Schule und Hochschulen kann dies von Nachteil sein.

LRS Testverfahren

Zum LRS Test werden jährlich die Zweitklässler geschickt, deren Ergebnisse im s.g. LRS-Diktat, das im ersten Halbjahr der zweiten Klasse geschrieben wird, Anlass zur Sorge gab.

Klar festhalten darf man, dass es zunächst Aufgabe der Schule ist, Kindern lesen und schreiben so beizubringen, dass sie es altersgerecht sicher beherrschen. Gelingt dies nicht, ist es auch Aufgabe der Schule, für zusätzliche Förderung sorgen. Die Lehrpläne und Stundentafeln der Grundschule sehen dafür den obligatorischen Förderunterricht vor. Darüber hinaus haben Schulen jedoch kaum zeitliche und personelle Kapazitäten.

Kinder mit Lese- Rechtschreibschwäche aber haben  einen Anspruch auf besondere Förderung und auch auf eine Sonderstellung in der Schule. Um ihnen dies zu gewähren, muss zweifelsfrei feststehen, dass eine Lese- Rechtschreibschwäche bei ihnen vorliegt. Der dazu erforderliche Test wird in der Regel durch einen Kinder- und Jugendpsychiater durchgeführt. Teilweise sind auch psychologische Psychotherapeuten und Schulpsychologische Dienste dafür zuständig.

Der Test besteht aus mehreren Teilen und umfasst eine ausführliche Befragung des Kindes, einen Lesetest, einen Rechtschreibtest und einem Intelligenztest. Besonders letzterer darf kritisch gesehen werden.
Die WHO führt in ihrer Defination zu LRS in der ICD10 klar aus, dass eine Intelligenzminderung nicht ursächlich in Zusammenhang mit LRS steht. Der LRS Test selbst ist nur eine Momentaufnahme. Doch er entscheidet darüber, ob ein Kind die nötige Förderung erhält oder nicht.

Nahezu jeder hat schon einmal eine Testsituation erlebt und weiß, welche Anspannung dabei entstehen kann. Ein Kind, welches Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben hat und sich der Testsituation bewusst ist, wird dies möglicherweise als extrem stressig erleben. Daneben sind noch einige Faktoren – ungewohnte Umgebung, Tagesform des Kindes …, die möglicherweise Einfluss auf den Test haben, denkbar.

Sekundärstörungen

Kinder, denen es schwer fällt, lesen und schreiben zu lernen, leiden oft extrem unter der Situation. Nach langen Leidenswegen, sind sie  oft zu so negativen  Überzeugungen gelangt, wie „Ich schaffe das nie.“, „Ich bin zu dumm.“, „Mit mir ist bestimmt etwas nicht in Ordnung.“ … Unzählige Übungsstunden ohne, dass spürbare Erfolge erkennbar werden, untermauern diese Überzeugungen und mit zunehmenden Schuljahren weiten sich die Probleme unweigerlich auch auf andere Fächer aus, denn lesen und schreiben sind nun mal Kernkompetenzen, die nicht nur im Deutschunterricht benötigt werden.  Die Kinder  leiden unter ihren schulischen Misserfolgen und verlieren zunehmen das Vertrauen in sich. Das Leiden hat verschiedene Gesichter. Es kann still und im Außen als Traurigkeit erkennbar sein. Aber auch aggressives Verhalten als Ventil der Wut über die eigenen Schwächen ist nicht selten und führt zwangsläufig zu neuen Problemen. Mangelndes Selbstbewusstsein,  eine geringe Meinung von sich selbst, Versagensgefühle, Angst vor Klassenarbeiten … all das sind Dinge, die sind Kinder mit LRS täglich durch den Schulalltag begleiten. In der Fachsprache wird dies auch als s.g. Sekundärstörungen bezeichnet und impliziert für diese Kinder einen höheren Förderbedarf. Neben dem Erwerb von Fähigkeiten zum Lesen und Schreiben, geht es bei ihnen auch darum, sie in ihrer sozialen Entwicklung zu unterstützen und zu fördern und Ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Bei Sekundärstörungen kann in bestimmten Fällen eine Kostenübernahme über die Jugendämter auf  Basis des §35 a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes erfolgen. Dies ist dann gegeben, wenn einem Kind durch seine Lese-Rechtschreibschwäche Folgen für seine seelische Gesundheit drohen. und soziale Folgeerscheinungen die Entwicklung des Kindes bedrohen. Die Einschätzung dazu erfolgt grundsätzlich durch einen Kinder- und Jugendpsychiater.

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